Lehre
Teaching

Lehrveranstaltungen und Lehraufträge
Seminars and Lectureships

Ästhetik der Maschine, Maschine der Ästhetik

Sommersemester 2026 - FU Berlin

In diesem Seminar wird das Kino als Schauplatz einer maschinischen Verbindung gedacht. Das Ereignis, das wir Filmerfahrung nennen, beginnt dort, wo der technische Apparat des Kinos, die Bilder des Films und der Körper der Zuschauerin miteinander verschmelzen. Dieser Verschmelzung entsteigt ein monströses Gefüge—angesiedelt irgendwo zwischen Technik und Ästhetik, Anorganischem und Organischem und variierend zusammengesetzt aus Licht, Silberpartikeln, rotem Samt, Nervenzellen, Augen, Lungen, Farben, Klängen und Rhythmen. Wie beschreibt man ein solches Gefüge? Wie kann man ihm aus filmwissenschaftlicher, philosophischer und kulturtheoretischer Perspektive gerecht werden? Wir lernen in diesem Seminar verschiedene Autor*innen des 20. und 21. Jahrhunderts kennen, die sich mit diesen Fragen auf verschiedene Weisen auseinandergesetzt haben, aber alle unter Rückgriff auf ein spezielles Konzept: das Konzept der Maschine. Die Maschine ist dabei nicht einfach als technisches Objekt zu verstehen, sondern vielmehr als produktive Logik des Anschlusses, der Verbindung und des Energieaustausches. „Genau darin besteht die über humanistische, mechanistische und kybernetische Deutungen hinausgehende Qualität der Maschine,“ schreibt Gerald Raunig, „im Insistieren einer dissonanten Macht, eines monströsen Vermögens und Vergnügens, in der vieldeutigen Neuerfindung des Verkehrs, der nonkonformen Verkettung von Differenzen, Singularitäten, Vielheiten, in einer a-harmonischen Komposition ohne Komponist_in“ (Maschinen–Fabriken–Industrien, 2019, S. 131). Wir wenden uns neben Raunig u. a. an Silvia Federici, Félix Guattari, Gilles Deleuze, Harun Farocki und Patricia MacCormack, um bei ihnen nach Visionen der Maschine zu suchen, die das Kino mit anderen Diskursen verbinden: feministische Kritik, libidinöse Ökonomie, Horrorästhetik, der Cyborg, Posthumanismus, Technokratie, KI-Götter und vieles mehr.


In this seminar, cinema is conceived as the site of a machinic connection. The event we call the film experience begins where the technical apparatus of the cinema, the images of the film, and the body of the viewer merge. From this fusion emerges a monstrous assemblage—situated somewhere between technology and aesthetics, the inorganic and the organic, and composed in varying ways of light, silver particles, red velvet, nerve cells, eyes, lungs, colors, sounds, and rhythms. How does one describe such an unholy convergence? How can it be done justice from Film Studies, philosophical, and cultural theory perspectives? In this seminar, we will encounter various authors of the 20th and 21st centuries who have grappled with these questions in diverse ways, but all by drawing on a specific concept: the concept of the machine. The machine is not simply understood as a technical object, but rather as a productive logic of connection, linking, and energetic exchange. “This is precisely where the quality of the machine transcends humanistic, mechanistic, and cybernetic interpretations,” writes Gerald Raunig, “in the insistence of a dissonant power, a monstrous capacity and pleasure, in the ambiguous reinvention of traffic, the nonconformist concatenation of differences, singularities, and multiplicities, in an aharmonious composition without a composer” (Machines–Factories–Industries, 2019, p. 131). In addition to Raunig, we turn to Silvia Federici, Félix Guattari, Gilles Deleuze, and Patricia MacCormack, among others, to explore their visions of the machine that connect cinema with other discourses: feminist critique, libidinal economics, horror aesthetics, the cyborg, posthumanism, technocracy, AI gods, and much more.

Bilder des Prekären
Flexible Arbeit, verzweifelte Menschen, instrumentalisierte Unsicherheit

Wintersemester 2025 - HFF München

Prekarität ist ein Begriff, mit dem alle im Kreativsektor tätigen Menschen bestens vertraut sein sollten. Leider. Er beschreibt eine spezielle Form der Ausbeutung, die darin besteht, feste Bande—etwa der Jobsicherheit, der Gemeinschaft und der Zeit—systematisch zu kappen und durch lose, flexible Verbindungen zu ersetzen. Dem Traum eines festen Jobs, eines Vertrags auf Lebenszeit, des Hausbesitzes, des allgemeinen Wohlstandes und der staatlich gewährleisteten Lebenssicherheit, den der Kapitalismus der Nachkriegsjahre in die Welt setzte, wurde vom sogenannten Neoliberalismus, in dem wir momentan leben, die ökonomische Realität entzogen. Die neue Realität sind Kurzzeitverträge, Freiberuflichkeit, soziale Unsicherheit und die Privatisierung sowohl von Renten- und Gesundheitsleistungen als auch von Verantwortung für den eigenen Erfolg. Wer in diesem System nicht erfolgreich ist, hat einfach nicht genug gearbeitet—so die Devise der selbstverschuldeten Prekarität. 

Das Problem: Der Traum von garantierter Sicherheit und Wohlstand hält als soziales und persönliches Ideal weiterhin an, obgleich er für den Großteil der Menschen nicht mehr umsetzbar ist. Es entsteht ein Widerspruch, eine fatale Inkompatibilität zwischen Erwartung und Wirklichkeit, die Lauren Berlant als Cruel Optimism bezeichnet: die grausame Bindung genuiner Wünsche an eine bereits abgelaufene Vision dessen, was erreicht werden kann. Das Resultat: Anxiety, Stress, Burn-out und das überwältigende Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das als eigenes Schuldbewusstsein internalisiert wird.

Wir setzen uns in diesem Seminar mit Bildern des Prekären auseinander. Unser Fokus besteht einerseits darin, die philosophische und kulturwissenschaftliche Grundlage der Prekarität kennenzulernen, und zwar durch Autor*innen wie Judith Butler, Isabell Lorey, Maurizio Lazzarato und Gerald Raunig. Andererseits verhandeln wir die verschiedenen Arten und Weisen, wie Filme und visuelle Kunstwerke mit dem Thema der Prekarität umgehen, und zwar anhand der Werke u. a. von Hito Steyerl, den Brüdern Dardenne, Bong Joon-ho, Chloé Zhao und Boots Riley. Teilnehmer*innen des Seminars sind explizit dazu eingeladen, die wissenschaftlichen Texte und Bilder, die wir zusammen besprechen werden, mit ihren eigenen Erfahrungen im Hinblick auf prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen in Verbindung zu setzen—prekäres Leben ist heute schließlich nicht mehr die Ausnahme, sondern die Norm. Leider. Aber ebenso wichtig wie das Erkennen der (eigenen) Realität, ist die Reflexion über neue Formen der Solidarität und Gemeinschaft, die aus der Prekarität hervorgehen können. In den Worten von Gilles Deleuze: „Weder zur Furcht noch zur Hoffnung besteht Grund, sondern nur dazu, neue Waffen zu suchen.“

 

Precarity is a term that everyone working in the creative sector should be very familiar with. Unfortunately. It describes a specific form of exploitation that consists of systematically severing ties—such as job security, community, and time—and replacing them with loose, flexible connections. The dreams of a secure job, a lifetime contract, homeownership, general prosperity, and state-guaranteed security, which post-war capitalism brought to the world, have been stripped of their material reality within the web of economic and political policies we call neoliberalism. The new reality is one of short-term contracts, freelance work, social insecurity, and the privatization of both pensions and healthcare, as well as moral responsibility for one's own success. Anyone who isn't successful in this system simply hasn't worked hard enough—that's the motto of self-inflicted precarity.

The problem: The dream of guaranteed security and prosperity persists as a social and personal ideal, even though it is no longer attainable for the vast majority of people. A contradiction arises, a fatal incompatibility between expectation and reality, which Lauren Berlant calls Cruel Optimism: the binding of genuine desires to a vision of what can be achieved that has already expired. The result: anxiety, stress, burnout, and the overwhelming feeling of hopelessness, which is internalized as a sense of guilt.

In this seminar, we will explore images of precarity. Our focus is twofold: first, to examine the philosophical and cultural foundations of precarity through authors such as Judith Butler, Isabell Lorey, Maurizio Lazzarato, and Gerald Raunig; and second, to explore the diverse ways in which films and visual artworks address the theme of precarity, using works by artists including Hito Steyerl, the Dardenne brothers, Bong Joon-ho, Chloé Zhao, and Boots Riley. Participants in the seminar are explicitly invited to connect the academic texts and images we will discuss with their own experiences of precarious working and living conditions—after all, precarious living is no longer the exception, but the norm. Unfortunately. But just as important as recognizing (one's own) reality is reflecting on new forms of solidarity and community that can emerge from precarity. In the words of Gilles Deleuze: "There is no reason for either fear or hope, but only for seeking new weapons."

Markenbilder

Wintersemester 2025 - FU Berlin

Das Markenbild ist das Bild ohne Außen, das Bild ohne Gegenschnitt. Es produziert abgeriegelte Welten der rationalen Irrationalität in der Form audiovisueller Ökonomien der Macht, die sich über den systematischen Ausschluss all dessen konstituieren, was dieser Macht eine Gegenwelt vorhalten könnte. Wir borgen den Begriff des Markenbilds (Original: „Image de Marque“) von dem Filmkritiker und Kulturtheoretiker Serge Daney, der in seinem Aufsatz „Montage obligé“ (1991) Folgendes über die französische TV-Berichterstattung des Zweiten Golfkriegs schreibt: 

„There was never so much talk about the ‘power of the image’ until it ceased to have any. The overwhelming majority of ‘images’ which have free reign on television today are less images with any intrinsic force, than images which represent power, and which ‘work’ for power just like ‘brand images’ work for corporations. It is strange that it took as a war to rediscover that the image has also, always, been a lure [...].” 

Das Markenbild steht an der prekären Schnittstelle von Werbung und (Kriegs-)Propaganda. Diese beiden Bildfelder werden im filmwissenschaftlichen Diskurs nur selten auf ihre Ähnlichkeiten überprüft, denn es drohen berechtigterweise die Risiken der Banalisierung und der Nivellierung von Differenzen, die buchstäblich den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen können. Wir konfrontieren dieses Risiko. Wir verfolgen dazu die theoriegeschichtlichen Bedingungen, unter denen es dem Autor Gerhard Voigt möglich war, Joseph Goebbels als „Markentechniker“ zu beschreiben. Aufbauend auf Theorielektüren u.a. von Daney, Jean Baudrillard (1995), Wolfgang Fritz Haug (1971), Naomi Klein (1999) und Maurizio Lazzarato (2014) und auf Sichtungen von Spielfilmen, Dokumentarfilmen und Werbungen erarbeiten wir Formen der Bildanalyse und -besprechung, die dazu geeignet sind, die verstörende Familienähnlichkeit zwischen Propaganda- und Warenästhetiken aufzuschlüsseln. Unter dem Vorzeichen des Bildes beleuchten wir das Verhältnis von Macht und Machtrepräsentation, von Wahrheit und Lüge, von Zeigen und Verbergen. Wir tasten die Grenzen ab, an denen das Markenbild seinen Kampf gegen den Einfall des Äußeren führt und an denen sich Macht konstant Bilder ihrer selbst erschafft.
 


The brand image is the image without an outside, the image without a counter-image. It produces sealed-off worlds of rational irrationality in the form of audiovisual economies of power, which are constituted through the systematic exclusion of everything that could offer a counter-world to this power. We borrow the term "brand image" (original: "Image de marque") from the film critic and cultural theorist Serge Daney, who, in his essay "Montage obligé" (1991), writes the following about French television coverage of the Second Gulf War:

"There was never so much talk about the 'power of the image' until it ceased to have any. The overwhelming majority of 'images' which have free reign on television today are less images with any intrinsic force, than images which represent power, and which 'work' for power just like 'brand images' work for corporations. It is strange that it took as a war to rediscover that the image has also, always, been a lure [...]."

The brand image occupies the precarious intersection of advertising and (war) propaganda. These two visual fields are rarely examined for their similarities in a Film Studies discourse, as there is a legitimate risk of trivialization and the leveling of differences that can literally mean the difference between life and death. We confront this risk. To this end, we trace the theoretical-historical conditions under which the author Gerhard Voigt was able to describe Joseph Goebbels as a "brand technician." Building on theoretical readings of, among others, Daney, Jean Baudrillard (1995), Wolfgang Fritz Haug (1971), Naomi Klein (1999), and Steven Shaviro (2010), and on screenings of feature films, documentaries, and advertisements, we develop forms of image analysis and discussion suitable for dissecting the disturbing family resemblance between propaganda and commodity aesthetics. Under the banner of the image, we examine the relationship between power and its representation, truth and falsehood, revealing and concealing. We explore the boundaries at which brand image wages its battle against external influences and at which power constantly creates images of itself.

The Female Gaze

Sommersemester 2025 - Bayrische Fernsehakademie

Wenn Laura Mulvey in den 1970er Jahren im klassischen Kino die Dominanz eines "männlichen Blicks" diagnostiziert, um die Art und Weise zu beschreiben, wie sich die patriarchale Verdinglichung des weiblichen Körpers auf die Darstellung der Frau im Film einschreibt, dann stellt sich die Frage, ob es so etwas wie einen "weiblichen Blick" gibt, der dieses ästhetische Wahrnehmungsmuster umdreht oder zumindest verkompliziert. In diesem Seminar verhandeln wir die Möglichkeit und Unmöglichkeit dieses Gegenbegriffs. Wir untersuchen dazu die epistemologischen Voraussetzungen, die Mulveys Theorie zugrundeliegen, und blicken auf verschiedene Film- und Videobeispiele aus dem Kino des 21. Jahrhunderts und der Kurzvideoplattform TikTok, um einer Antwort näherzukommen.


When Laura Mulvey diagnosed the hegemony of a "male gaze" in classical Hollywood cinema during the 1970s, describing how the patriarchal objectification of the female body is inscribed in the representation of women on film, the question arises whether there is such a thing as a "female gaze" that reverses or at least complicates this aesthetic pattern of perception. In this seminar, we will explore the possibility and impossibility of this counter-concept. To this end, we will examine the epistemological assumptions underlying Mulvey's theory and look at various film and video examples from 21st-century cinema and the short-video platform TikTok to arrive at an answer.

Einführung Filmtheorie

Sommersemester 2025 - FU Berlin

Das Basismodul Filmästhetik und -theorie führt in die grundlegenden Fragestellungen, Gegenstandskonstruktionen und Konzepte der Filmtheorie ein und eröffnet einen Einblick in die theoriegeschichtliche Genese der Begriffe gegenwärtiger Theorie und Ästhetik des Films. Das Basismodul vermittelt die Terminologie, Problemstellungen und Grundprinzipien theoretischer Erkenntnisbildung an den Argumentations- und Darstellungsweisen exemplarischer film theoretischer, ästhetischer, medien- und kulturtheoretischer Texte. Es leitet zur fundierten Reflexion über den erweiterten Gegenstandsbereich der Filmwissenschaft an. In begleitenden Übungen und im Rahmen kleinerer eigener Beiträge werden die vermittelten Prinzipien und Begrifflichkeiten auf theoretische, ästhetische und kulturwissenschaftliche Fragestellungen angewendet und die Fertigkeiten einer methodisch geleiteten Lektüre theoretischer Texte eingeübt.
 

The basic module in Film Aesthetics and Theory introduces the fundamental questions, constructions of objects, and concepts of film theory and provides insight into the historical development of the terms used in contemporary film theory and aesthetics. The module conveys the terminology, problems, and basic principles of theoretical knowledge formation through the argumentation and presentation styles of exemplary texts from film theory, aesthetics, media theory, and cultural theory. It encourages a well-founded reflection on the broader subject area of ​​film studies. In accompanying exercises and through short, independent projects, the principles and concepts taught are applied to theoretical, aesthetic, and cultural studies questions, and the skills of methodically guided reading of theoretical texts are practiced.

Antikapitalistische Medientheorie

Sommersemester 2024 - HFF München

Es ist einfacher, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus. Mit dieser Diagnose von 2009 benennt Mark Fisher die akute Vorstellungsarmut alternativer medialer Weltentwürfe, die gelähmt von der Allgegenwärtigkeit des Turbokapitalismus im stumpfen Gefühl der Ohnmacht versinken. Diese Ausweglosigkeit wird von anderen Medientheorien durchaus in Frage gestellt. Die Untersuchung ihrer Visionen von Kritik und Subversion öffnet den Blick auf Widerstandspotenzial, wo andere nur noch langweilige Dystopie vermuten.

Diese Lehrveranstaltung schafft einen systematischen Überblick über verschiedene Formen antikapitalistischer Medientheorien des 20. und 21. Jahrhunderts. Es liegt nahe, bei der Betrachtung einer so großen Zeitspanne nicht von „den“ Medien zu sprechen—kritische Medientheorien verändert sich parallel zu den materiellen und ästhetischen Übergängen ihrer Untersuchungsgegenstände, d.h. Film, Fernsehen und digitale Medien. Klärungsbedürftiger ist hingegen, dass ebensowenig von „dem“ Kapitalismus gesprochen werden kann, der diese Zeitspanne unverändert umfasst. Béla Balázs schreibt 1924 vom Film als Erzeugnis der kapitalistischen Großindustrie; Theodor W. Adorno und Max Horkheimer reden 1944 von der Kulturindustrie als Ausgeburt desSpätkapitalismus; Jodi Dean deutet 2005 auf das frühe Internet als Legitimationsapparat desNeoliberalismus; Shoshana Zuboff kritisiert 2018 digitale Plattformen wie Google oder Meta als Medien desÜberwachungskapitalismus. Allein diese Begriffsunterschiede machen klar, dass eine Übersicht antikapitalistischer Medientheorien nur gelingen kann, wenn zwei ineinandergreifende Transformationsbewegungen simultan verhandelt werden: die Übergänge zwischen Medien und die Übergänge zwischen Kapitalismen.

Um diese Verschränkung greifbar zu machen, werden vier Perioden differenziert, denen sich verschiedene Medientheorien zuordnen lassen: (1) Monopolkapitalismus, (2) Spätkapitalismus, (3) Neoliberalismus, (4) Digitaler Kapitalismus. Jede dieser Perioden definiert sich über ein anderes Zusammenspiel derselben Instanzen: Kapital, Politik, Medien und Zuschauer*innen. Sie artikulieren damit verschiedene Verständnisse von Kritik und Subversion, die zusammengenommen zur Konkretisierung und Formulierung eigener Ideen des mediatisierten Widerstands beitragen können.


It is easier to imagine the end of the world than the end of capitalism. With this diagnosis from 2009, Mark Fisher identifies the acute lack of imagination in alternative media-driven worldviews, which, paralyzed by the omnipresence of turbo-capitalism, sink into a dull sense of powerlessness. This sense of hopelessness is certainly challenged by other media theories. Examining their visions of critique and subversion reveals potential for resistance where others see only tedious dystopia.

This course provides a systematic overview of various forms of anti-capitalist media theories from the 20th and 21st centuries. It goes without saying that, when considering such a broad period, we cannot speak of "the" media—critical media theories evolve in parallel with the material and aesthetic transitions of their objects of study, i.e., film, television, and digital media. However, it is more pertinent to argue that one also cannot speak of "the" capitalism that remains unchanged throughout this entire period. In 1924, Béla Balázs wrote of film as a product of large-scale industrial capitalism; in 1944, Theodor W. Adorno and Max Horkheimer spoke of the culture industry as an offspring of late capitalism; in 2005, Jodi Dean pointed to the early internet as a legitimizing apparatus of neoliberalism; and in 2018, Shoshana Zuboff criticized digital platforms like Google and Meta as media of surveillance capitalism. These differences in terminology alone make it clear that an overview of anti-capitalist media theories can only succeed if two intertwined transformative movements are examined simultaneously: the transitions between media and the transitions between capitalisms.

To make this entanglement tangible, four periods are distinguished, to which various media theories can be assigned: (1) monopoly capitalism, (2) late capitalism, (3) neoliberalism, and (4) digital capitalism. Each of these periods is defined by a different interplay of the same entities: capital, politics, media, and audiences. They thus articulate different understandings of critique and subversion, which together can contribute to the concretization and formulation of one's own ideas of mediatized resistance.

Bilder der Welt und Inschrift des Krieges

Sommersemester 2024 - HFF München

In diesem Seminar geht es um Agitation, Protest und ästhetischen Widerstand. Wir begegnen dabei verschiedenen Topoi des öffentlichen Diskurses der 1980er Jahre: die fortgeschrittene Aufarbeitung der Shoah, die sich global vernetzende Gewalt des militärisch-industriellen Komplexes, neue Technologien der Bio- und Nekropolitik sowie die Manipulation politischer Bewusstseinsbildung durch anschwellende Konglomerate kommerzieller Massenmedien. Im Kontext der Protestwellen von 1968 begegneten wir einigen dieser Themen auf erhobenen Postern und in wackeligen, hastig zusammengeschnittenen Studierendenfilmen. Doch etwas hat sich verändert. Die unmissverständlichen Aus- und Ansagen, die in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren noch als rote Fahnen oder Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Bauen eines Molotow-Cocktails auf der Leinwand erschienen, scheinen in den 1980er Jahren irgendwie verdunstet oder zumindest uneindeutiger geworden zu sein. Anhand des Films Bilder der Welt und Inschrift des Krieges (1988) von Harun Farocki (1944-2014) überprüfen wir in diesem Seminar die These, dass sich linker ästhetischer Widerstand in den 1980er Jahren von der filmischen Repräsentationsebene weg- und in die formalen Gestaltungsmittel des Films hineinbewegt. 


This seminar focuses on agitation, protest, and aesthetic resistance. We will encounter various topoi of public discourse in the 1980s: the advanced process of coming to terms with the Holocaust, the globally networked violence of the military-industrial complex, new technologies of biopolitics and necropolitics, and the manipulation of political consciousness by swelling conglomerates of commercial mass media. In the context of the protest and strike waves of the years around 1968, we encountered some of these themes on raised posters and in shaky, hastily edited student films. But something has changed. The unambiguous pronouncements and messages that appeared on screen in the late 1960s and early 1970s as red flags or step-by-step instructions for making a Molotov cocktail seem to have somehow evaporated or at least become more ambiguous in the 1980s. Using the film Bilder der Welt und Inschrift des Krieges (1988) by Harun Farocki (1944-2014), we explore in this seminar the polemic thesis that left-wing aesthetic resistance in the 1980s moved away from the cinematic level of representation and into the formal design means of film.

Feministische Filmtheorie und feministische Filme

Wintersemester 2023/24 - HFF München

Im März 1977 veröffentlich die deutsche Filmkritikerin und -theoretikerin Gertrud Koch in Frauen und Film den Aufsatz „Was ist und wozu brauchen wir eine feministische Filmkritik?“ Anlässlich dieses Seminars stellen wir uns diese Frage erneut – diesmal jedoch in leichter Abänderung und mit knapp 50 Jahren historischem Gepäck im Schlepptau: Was war feministische Filmtheorie und was ist sie heute? Wozu brauchten wir sie damals und wozu brauchen wir sie heute?

Wir beginnen das Seminar bei Laura Mulveys Konzept des „männlichen Blicks“. Lässt sich dieses Konzept auch heute noch anwenden, wenn es doch einer psychoanalytischen Methodologie der 1970er entspringt, in der das Bild der Frau als „Trägerin der blutenden Wunde“, als „Signifikan[t] des eigenen Wunsches nach einem Penis“ auftritt? Wir begegnen mehreren Theoretikerinnen, die Mulvey weiterentwickeln und kritisieren. Wir untersuchen in diesem Zusammenhang, inwiefern queere und BIPoC-Perspektiven feministische Filmtheorie simultan herausfordern und erweitern, indem sie nämlich auf eine Position hinweisen, die Mulvey nur schwer zu fassen vermochte: die weibliche Zuschauerin. Diese existiert nicht im Vakuum; sie besitzt einen gelebten Körper, der nicht als bloßer Container einer Essenz, eines hermetisches Individuums, sondern als schwarzer oder lesbischer oder auch behinderter Körper auftritt, als ein von Affekten, Emotionen und Spannungen durchzogenes „Fleisch“. Hier betreten wir das spannende Feld der (queer-)feministischen Phänomenologie, die seit den späten 2000er Jahren die feministische Filmtheorie maßgeblich prägt.

 

In March 1977, the German film critic and theorist Gertrud Koch published the essay "Was ist und wozu bruachen wir eine feministische Filmkritik?" in the journal Frauen und Film. For this seminar, we revisit this question—this time with a slight modification and nearly 50 years of historical baggage: What was Feminist Film Theory then, and what is it now? Why did we need it then, and why do we need it now?

We begin the seminar with Laura Mulvey's concept of the "male gaze." Can this concept still be applied today, given that it stems from a psychoanalytic methodology of the 1970s, in which the image of women appears as the "bearer of the bleeding wound," as the "signifier of one's own desire for a penis"? We will encounter several theorists who have developed and critiqued Mulvey's work. In this context, we examine how queer and BIPoC perspectives simultaneously challenge and expand feminist film theory by pointing to a position that Mulvey struggled to grasp: the female viewer. This viewer does not exist in a vacuum; she possesses a lived body that does not appear as a mere container of an essence, a hermetic individual, but rather as a Black, lesbian, or disabled body—as a "flesh" permeated by affects, emotions, and tensions. Here we enter the exciting field of 
(queer-)feminist phenomenology, which has significantly shaped feminist film theory since the late 2000s.

Internet und Demokratie

Wintersemester 2023/24 - HFF München

Anfang der 1990er Jahre galt das Internet und die von ihm ermöglichte Kommunikationsstruktur als lang ersehnte Verwirklichung demokratischer Ideale. Mit der Kommerzialisierung des Internets und dem Erstarken sozialer Medien schwand diese Hoffnung bereits Anfang der 2000er Jahre – heute ist es ein Gemeinplatz, den digitalen Kapitalismus als Untergangsmoment der Demokratie zu kritisieren. In digitalen Echokammern bilden sich filter bubbles, die jeglichen Blick über den Tellerrand unmöglich zu machen scheinen. Algorithmen belohnen systematisch toxische Diskurse und negative Affekte, um Aufmerksamkeit zu akkumulieren. Große Tech-Firmen wie Meta (Facebook/Instagram) oder Alphabet (Google) sammeln Nutzer*innen-Daten, um aus deren Verkauf an Werbefirmen Profit zu schlagen. Die Liste geht weiter. Wie nehmen diesen Gesinnungswandel über zwei aktuelle Texte in den Blick: Jürgen Habermas‘ neuestes Buch Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und deliberative Politik (2022) und das von Christian Fuchs und Klaus Unterberger herausgegebene Public Service Media und Public Service Internet Manifesto (2021). Beide fordern die Umstrukturierung des Internets. Beide modellieren diese Umstrukturierung nach dem Beispiel öffentlich-rechtlicher Medien. Wir untersuchen, welche Probleme dieser Strategie anhaften und inwiefern die komplexe Beziehung von Demokratie und Internet auf eine größere sozioökonomische Entwicklung hindeutet.
 

In the early 1990s, the internet and the communication structures it enabled were seen as the long-awaited realization of democratic ideals. With the commercialization of the internet and the rise of social media, this hope faded by the early 2000s – today, it's commonplace to criticize digital capitalism as the downfall of democracy. Filter bubbles form in digital echo chambers, seemingly making any broader perspective impossible. Algorithms systematically reward toxic discourse and negative emotions to accumulate attention. Large tech companies like Meta (Facebook/Instagram) or Alphabet (Google) collect user data to profit from its sale to advertising firms. The list goes on. We examine this shift in thinking through two recent texts: Jürgen Habermas's latest book, A New Structural Transformation of the Public Sphere and Deliberative Politics (2022), and the Public Service Media and Public Service Internet Manifesto (2021), edited by Christian Fuchs and Klaus Unterberger. Both call for the restructuring of the internet. Both model this restructuring on public service media. We investigate the problems inherent in this strategy and to what extent the complex relationship between democracy and the internet points to a broader socio-economic development.

Verschwendung

Wintersemester 2023/24 - HFF München

Der solare Anus, der Sado-Masochismus und natürlich die generelle Ökonomie. In diesem Seminar befassen wir uns mit den Motiven der Verschwendung, der Verausgabung, des Überflusses und des Exzesses. Als theoretische Grundlage dienen uns dafür die anarchistischen und erotischen Schriften des französischen Philosophen Georges Bataille (1897–1962). Ausgehend davon untersuchen wir, inwiefern audiovisuelle Medien nicht nur Verschwendung abbilden, sondern selbst auch Verschwendung sind – von Zeit, Emotionen, Geld und Energie.


The solar anus, sadomasochism, and, of course, general economics. In this seminar, we will examine the motives behind waste, expenditure, abundance, and excess. Our theoretical foundation will be the anarchist and erotic writings of the French philosopher Georges Bataille (1897–1962). Building on his heterogeneous oeuvre, we will investigate how audiovisual media not only depict waste but are themselves a form of waste—of time, emotions, money, and energy.

Spätkapitalismus und Postkinematografie

Sommersemester 2023 - HFF München

Aus Sicht des gegenwärtigen Kapitalismuskritikers Jonathan Crary leben wir in Westeuropa im Zeitalter des Spätkapitalismus. Im Gegensatz zum klassischen Marktkapitalismus, den Marx im 19. Jahrhundert noch als Kapitalismus schlechthin analysierte, zeichnet sich der Spätkapitalismus durch seine besondere Beziehung zur Kultur aus. Nicht ohne Grund kommen Begriffe wie „Kultur- und Dienstleistungssektor“, „ästhetische Ökonomie“ oder auch „Kreativbranche“ gerade dann ins Spiel, als ab Ende der 1960er Jahre zunehmend von einer Umstrukturierung von Kapital und Arbeit gesprochen wird. Als Mitglieder einer staatlichen Kunsthochschule geht uns diese Umstrukturierung unmittelbar etwas an, denn wieso genau fördert der Staat (nicht zufällig ebenfalls seit Ende der 1960er Jahre) überhaupt die Ausbildung von Filmemacher*innen?

Auf diese Frage gibt uns die nähere Untersuchung der Begriffsgeschichte des Spätkapitalismus eine Antwort. Zu Beginn des Seminars untersuchen wir daher die Entwicklung des Kapitalismus im 20. Jahrhundert. Dabei nehmen wir vor allem das Zusammenspiel von Kultur und Kapital in den Blick, das sich über die Sphäre der Kunst hinweg in andere Bereiche des Sozialen einschreibt. Auch das Medium Film wird von dieser Bewegung erfasst. Mit der Verbreitung neuer Medien löst sich das audiovisuelle Bild immer mehr vom dunklen Raum des Kinos und verstreut sich über digitale Netzwerke nicht nur im Bereich der Freizeit, sondern auch der Arbeitszeit. Diesem Umstand wird in der deutschen Filmwissenschaft mit dem Begriff der Postkinematografie Rechnung getragen, dem wir uns näher widmen werden. Das Seminar endet mit einer Reflexion über die grundlegende Annäherung von Bild- und Arbeitspraxen, die nicht nur den Spätkapitalismus und die Postkinematografie maßgeblich prägt, sondern auch unseren Alltag an der HFF München.
 

From the perspective of contemporary critic of capitalism Jonathan Crary, we, in Western Europe, live in the age of late capitalism. In contrast to classical market capitalism, which Marx analyzed in the 19th century as capitalism par excellence, late capitalism is characterized by its particular relationship to culture. It is no coincidence that terms such as "cultural and service sector," "aesthetic economy," or "creative industries" came into play precisely when, from the late 1960s onward, there was increasing talk of a restructuring of capital and labor. As members of a state art academy, this restructuring directly concerns us, because why exactly does the state (not coincidentally also since the late 1960s) promote the training of filmmakers?

A closer examination of the conceptual history of late capitalism provides an answer to this question. Therefore, at the beginning of the seminar, we will examine the development of capitalism in the 20th century. In this seminar, we will focus primarily on the interplay of culture and capital, which extends beyond the sphere of art into other areas of the social sphere. The medium of film is also affected by this movement. With the spread of new media, the audiovisual image is increasingly detaching itself from the darkened space of the cinema and disseminating itself across digital networks, not only in the realm of leisure but also during working hours. German film studies addresses this phenomenon with the concept of post-cinematography, which we will explore in more detail. The seminar will conclude with a reflection on the fundamental convergence of image-making and work practices, which not only significantly shapes late capitalism and post-cinematography but also our daily life at the HFF München.

Körper/Maschine

Wintersemester 2022/23 - HFF München

In diesem Schwerpunktseminar befassen wir uns mit der organisch-technischen Schnittstelle von Körpern und Maschinen in ihren vielen historischen Konstellationen: Hexenverbrennungen, menschenfressende Leinenpressmaschinen, Astronautenmäuse und vieles mehr.  Wir schauen uns an, wie die (westliche) Moderne seit dem 17. Jahrhundert von einer Mechanisierung des menschlichen  Körpers geprägt ist, und wie das Medium Film seit Anfang des 20. Jahrhunderts dazu beiträgt, diesen Prozess zu intensivieren. Anschließend wenden wir uns der spätmodernen Wendung dieses Paradigmas zu: der Cyborg und seine kybernetische Auflösung traditioneller Kategorien von Identität, Geschlecht und körperlicher Integrität.

 

In this seminar, we will explore the organic-technical interface between bodies and machines in its many historical constellations: witch burnings, man-eating linen presses, astronaut mice, and much more. We will examine how (Western) modernity has been characterized by the mechanization of the human body since the 17th century, and how the medium of film has contributed to intensifying this process since the beginning of the 20th century. We will then turn to the late-modern turn of this paradigm: the cyborg and its cybernetic dissolution of traditional categories of identity, gender, and bodily integrity.

Dissens und Protest

Wintersemester 2022/23 - HFF München

Dieser Kurs betrachtet unterschiedliche mediale Formate (darunter Spielfilm, Dokumentarfilm und Kurzvideos) und ihre ästhetische Auseinandersetzung mit dem Thema des politischen Protests. Der Fokus liegt auf Aufständen und Formen des Dissens des frühen 21. Jahrhunderts, die strategisch auf digitale Netzwerke und soziale Medien zurückgreifen – darunter vor allem der arabische Frühling (2010-heute). Wie drückt sich dieser technologische Hintergrund auf audiovisueller Ebene aus? Inwiefern lässt sich von einer digitalen „Rhetorik“ des Protests reden und welche analytischen Werkzeuge können wir nutzen, um dieser Darstellungsform wissenschaftlich näherzukommen?

 

This course examines various media formats (including feature films, documentaries, and short videos) and their aesthetic engagement with the theme of political protest. The focus is on uprisings and forms of dissent in the early 21st century that strategically utilize digital networks and social media—particularly the Arab Spring (2010–present). How is this technological backdrop expressed on an audiovisual level? To what extent can we speak of a digital “rhetoric” of protest, and what analytical tools can we use to approach this form of representation from a scholarly perspective?

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